Auf zu neuen Horizonten - persönlich, unternehmerisch, gesellschaftlich: Zwei Buchtipps

 

Pünktlich mit dem Beginn des Septembers schaltet der Sommer in München einen Gang runter und der Herbst steht plötzlich vor der Tür. Nachdem man sich nun fast monatelang kaum Sorgen machen musste, wie das Wetter wohl werden könnte - denn es war ja fast überall durchgehend schön warm - rücken nun die festen Schuhe und dunklen Socken wieder in den Fokus. Tagsüber mache ich das Licht in den Räumen an und führe einen inneren Dialog, ob ich die Heizung bereits jetzt aufdrehe oder auf eine Rückkehr der warmen Temperaturen hoffe, die es im bayerischen Altweibersommer so oft gibt.

In diesem Zusammenhang ertappe ich mich bei dem Gedanken, es mir auf der Couch mit einem guten Buch bequem zu machen. Was könnte man also lesen?

 

Belletristik oder Fachbuch? Unterhaltsam oder informativ? Emotional oder sachlich?

 

Da ich mir hier noch unschlüssig bin und auch mal wieder mein Bücherregal durchstöbern sollte, auf der Suche nach Büchern, die ich noch nicht gelesen habe, beschließe ich, erst einmal über vergangene Juwelen zu schreiben.

 

Über den Sommer habe ich mich mit zwei Büchern beschäftigt, die auf wundersame Weise alles o.g. in sich vereinen, bis auf die Zugehörigkeit zur Belletristik.

 

Das erste Buch trägt den Titel „Ambition -

Wie große Karrieren gelingen“.

Geschrieben wurde es von zwei inspirierenden Power-Frauen: Dorothea Assig und Dorothee Echter http://www.assigundechter.de/

Beide sind seit über 20 Jahren weltweit als Beraterinnen für ambitionierte Persönlichkeiten, Autorinnen und Vortragende unterwegs. Zu ihrem exklusiven Kundenkreis gehören Personen aus dem Topmanagement internationaler sowie Dax 30-Unternehmen und aus den Bereichen Wissenschaft, Politik, Sport und Kunst.

 

In ihrem Buch erklären Sie uns auf sehr klare und anschauliche Art und Weise, dass man kein Genie sein muss, um eine sog. Große Karriere zu machen. Sie dekodieren das „System Karriere“ und zeigen anhand von einer klaren Struktur und einer Fülle an Anekdoten aus dem Leben bekannter Persönlichkeiten, welche Schritte man unternehmen sollte und welche Hilfestellungen, Zufälle, Krisen, Mentoren und Durstrecken zu dem ganz persönlichen Erfolg dieser Menschen führten.

 

So macht das Lernen Spaß! Zum einen erhalte ich einen klug ausgearbeiteten Fahrplan, der die schrittweise Planung meines eigenen Erfolges erleichtert und zum anderen kann ich mich mit all denen verbunden fühlen, die ES bereits vor mir geschafft haben.

 

Das spornt an und entlastet gleichermaßen. Dabei laden die Autorinnen immer wieder ein, sich selbst näher kennenzulernen und schlussendlich den eigenen inneren Kern zu finden.

 

Dieses Buch gibt mir vieles: Coaching, DEN Fahrplan, Selbsterfahrung, Hinweise auf Gefahrenpotenziale, Krisenmanagement, Anbindung an die Weisheitstraditionen und einen hoffnungsfrohen Ausblick.

Es lässt mich über den Tellerrand hinausblicken, sowohl auf den Boden vor mir, um den nächsten Schritt zu gehen, als auch in die Ferne bis hin zum Horizont und weiter.

 

Herzlichen Dank, Frau Assig und Frau Echter.

 

 

Von der persönlichen Entwicklung hin zu neuen Unternehmensformen

Das zweite Buch, von dem ich hier erzählen möchte, hat mich tief berührt und trifft aus meiner Sicht gesellschaftlich den Nerv der Zeit.

Es heißt Reinventing Organisations und wurde von dem ehemaligen Associate Partner bei McKinsey, dem Belgier Frédéric Laloux, geschrieben, welcher mittlerweile mit seiner Familie in den USA lebt und arbeitet.

 

Herr Laloux hat Firmen untersucht, die Unternehmensorganisationen anders verstehen und leben.

 

Dabei lässt er mich zu Beginn seines Buches durch die Menschheitsgeschichte reisen und erklärt die unterschiedlichen Organisationsmodellen in ihrem historischen Kontext und verknüpft die verschiedenen Modelle mit denen der psychosozialen menschlichen Entwicklung, wie wir sie z.B. aus dem Stufenmodell von Erikson kennen:

 

Er berichtet vom reaktiven Paradigma der frühesten Entwicklungsstufe der Menschheit (bis ca. 50.000 v. Chr.) als wir in kleinen Familiengruppen lebten, über das magische Paradigma (vor etwa 15.000) Jahren als wir uns in Stämmen organisiert haben und uns unsere Umwelt mit Hilfe von Geistern, Magie und strafenden Gottheiten erklärt haben, bis hin zum tribalen Paradigma, bei dem ein mächtiger Anführer die Untergebenen mit Angst und Gehorsam in seinem Sinne steuert.

 

Das traditionell konformistische Paradigma hatte ca. 4.000 v. Chr. den Übergang von den Stammesfürstentümern zu Staaten und Zivilisationen zur Folge und es entstand auf Basis einer auf Ursache und Wirkung basierenden Denkweise eine florierende Landwirtschaft, die zu einer besseren Nahrungsmittelversorgung der Völker führte. So konnte in den entstehenden Staaten ein Klasse von Machthabern, Verwaltern, Priestern, Kriegern und Handwerkern versorgt werden.

 

Das moderne leistungsorientierte Paradigma schließlich sieht die Welt als komplexes Konstrukt, dessen Mechanismen und natürlichen Gesetze untersucht und nachvollzogen werden können. Hierbei ist am erfolgreichsten, wer - auf Basis von Informationen - die besten Entscheidungen trifft, was wiederum die besten Ergebnisse bringt. Die Weltsicht dieser Entwicklungsstufe ist rein materialistisch: Nur was man sehen und berühren kann, ist real. Die Ratio und das Streben nach materiellem Wohlstand regieren die Welt.

 

Auf der Stufe der postmodernen pluralistischen Weltsicht schlussendlich, haben die Menschen die Schattenseiten der modernen Arbeitsweise kennengelernt. Sie verstehen, dass Menschen keine Maschinen sind, deren Leistung man ausschließlich in Zahlen ausdrücken kann. Die Führungskräfte dieser Kultur sprechen von der Organisation als Familie. Das Glück eines jeden Mitglieds ist für den Erfolg des Unternehmens wichtig. Hierbei bleibt jedoch häufig ein Widerspruch im System unaufgelöst: Es sollen alle gleich behandelt werden, aber die hierarchische Struktur bleibt bestehen. Dies führt häufig zu Enttäuschung und Verwirrung aufgrund von unterschiedlichen Werten und Realitäten.

 

Und nun steht laut Laloux eine neue Stufe bevor. Das neue Unternehmensmodell nennt er die integrale evolutionäre Organisation.

 

Anhand von Beispielen aus den USA, Deutschland, Holland, Frankreich und global agierenden Unternehmen, erklärt er nun die Struktur dieser integralen Organisationsformen. Alle Unternehmen haben sich organisch, bzw. aus sich heraus so entwickelt. Herr Laloux untersucht die Gemeinsamkeiten und erklärt die Zusammenhänge.

 

So sind die integralen Organisationen vor allem von Selbstführung geprägt, sowohl bei den Strukturen als auch bei den Prozessen. Dies bedeutet paradoxerweise nicht, dass es kein Management bzw. keine Führung mehr gibt. Sie sind jedoch nicht mehr auf wenige Personen fokussiert, sondern werden breiter verteilt. Die Mitarbeiter werden empowered, Entscheidungen selbst zu treffen und können sich bei Bedarf von Spezialisten beraten lassen.

Dies fördert die Eigenverantwortung, lässt den Mitarbeiter sich selbstwirksam fühlen und steigert seine Innovationsfreude. Die Unternehmen sind lebende und atmende Organismen, die sich aus sich selbst heraus entwickeln. Wie das Leben das schon seit Millionen von Jahren getan hat. Dabei brauchen diese Unternehmen keinen einen Heilsbringer, der alles weiß und alles kann, sondern vertrauen auf das Wissen und das Engagement der Vielen.

Wem das jetzt unmöglich oder gar esoterisch klingt, dem setzt der Autor freundlich den wirtschaftlichen Erfolg dieser Unternehmen entgegen.

 

Auch aus Sicht der Bindungstheorie wäre m.E. dies der nächste logische Schritt in der Entwicklung von uns Menschen und auch Organisationsformen. Interessanterweise bedeutet das auch eine bewusste Rückkehr zu unseren Wurzeln. Diese integralen Unternehmen würdigen den Umstand, dass wir Menschen genauso leben und arbeiten sollen, wie wir eigentlich „designt“ sind: gefördert, gefordert, verbunden, abgesichert, wertgeschätzt, damit wir unsere Neugier und Gestaltungsfreude ausleben zu können, die uns von Natur aus gegeben ist.

 

Ein unglaublich spannendes Buch. Man hat den Eindruck, man blickt auf eine historische Entwicklung, die im Jetzt und Hier passiert und an der man teilhaben kann. Es ist so, als ob man zusieht, wie in diesem Moment des Lesens Geschichte geschrieben wird.

 

„Die Menschheit entwickelt sich in Sprüngen. Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass wir gerade vor einem neuen Sprung stehen...“ Frédéric Laloux

 

Herr Laloux, herzlichen Dank für diese Inspiration.

 

Und Ihnen, lieber Leser, herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und bis zum nächsten Mal in diesem Blog.

 

Alles Gute,

Ihre Uta Siebert

 

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